Historie

Der Begründer dieses biochemischen Heilverfahrens ist Wilhelm Heinrich Schüßler, der in Bad Zwischenahn am 21. August 1821 das Licht der Welt erblickte. Er wurde in bescheidene Verhältnisse hineingeboren.

Sein Vater, Amtmann im Herzogtum Oldenburg, konnte gerade seine siebenköpfige Familie ernähren. Das Geld reichte nicht, um seinen sehr sprachbegabten Sohn Heinrich studieren zu lassen. Schüßler hatte sein großes Talent für die Heilkunde entdeckt und wollte homöopathisch behandelnder Heilpraktiker werden. Sein ältester Bruder Ernst Georg Theodor erkannte die damals bestehenden großen Schwierigkeiten bei der Ausübung des Berufes des Heilpraktikers und finanzierte das Studium seines Bruders, jedoch unter der Bedingung, daß dieser sich zum homöopathischen Arzt ausbilden lasse.

Da das Herzogtum Oldenburg über keine Universität verfügte, ging Schüßler 1852 nach Paris. Später studierte er in Berlin und Gießen, erlangte in Gießen seine Doktorwürde und hielt sich für ein Semester zur Homöopathieausbildung an der medizinischen Fakultät der Universität Prag auf. Nach Oldenburg zurückgekehrt, mußte er vor dem Medizinalkollegium eine Seperatprüfung ablegen, da ihm das Abitur fehlte.

Das Staatsexamen legte er am 14. August 1857 ab und konnte 1858 endlich als 36-jähriger eine Praxis eröffnen und seinem lang schon gehegten Wunsch nachkommen, Menschen zu helfen, sie zu kurieren. Angeregt durch die Arbeiten des niederländischen Physiologen Jacob Moleschott (1822-1893), welcher erkannte, daß Phosphor wichtig für die Nervenzelle ist, und den Satz „ohne Phosphor keine Gedanke“ (1852) prägte, kam Schüßler zu der Überzeugung, daß fehlende anorganische Mineralsalze gestörte Lebensvorgänge und somit Krankheiten hervorrufen. Folglich tritt eine Hemmung des Zellstoffwechsels auf. Führt man das oder die fehlenden Mineralsalze zu, so kommt der gestörte Zellstoffwechsel wieder in Gang. Rudolf Virchow (1821-1902), gleichen Jahrgangs wie Schüßler und Kneipp, führte in seinem Hauptwerk „Cellularpathologie“ (1858) aus, daß letztendlich jedes Leiden nur auf eine Störung in den Zellen beruhe. Der Agriculteur Justus von Liebig (1803-1873) zeigte in seinen Versuchen auf, daß ein mineralstoffreicher Boden bessere Erträge bringt und schuf einen Kunstdünger aus Stickstoff, Phosphor und Kalium, welcher später unter dem Namen „Nitrophoska“ erhältlich ist.

Somit war bei Schüßler die Idee geboren: „Ich muß meine Patienten richtig düngen!“ Schüßler bestätigte die Forschungsergebnisse Moleschotts - „Gesund bleiben kann der Mensch nur, wenn er die nötigen Mineralstoffe in der erforderlichen Menge und im richtigen Verhältnis besitzt“ - und postulierte, „daß man mit Kalk, Natrium, Kalium, Magnesia und Eisen in ihren Verbindungen mit Phosphorsäure, Schwefelsäure und Chlor sämtliche Krankheiten, welche überhaupt heilbar sind, auf diesem Wege heile“. Des weiteren ließ Schüßler Organteile von Leichen verbrennen, analysierte die Asche auf ihren Mineralstoffgehalt und fand somit einen Zusammenhang zwischen dem veränderten Mineralhaushalt und der Krankheitsursache bzw. dem Leiden des Verstorbenen.

Seine Erkenntnisse veröffentlichte er 1874 in seinem Buch „Eine abgekürzte Therapie“. Dr. med. Wilhelm Heinrich Schüßler verstarb am 30. März 1898 in Oldenburg.